Ratgeber · Lebensmittel
Kakaomasse, Kakaopulver, Trinkkakao – was steht auf dem Etikett?
Kakao ist nicht gleich Kakao. Hinter dem Wort stecken gemahlene Bohnen, entöltes Pulver oder eine süße Getränkemischung – und das Etikett verrät, was du vor dir hast. Dieser Ratgeber erklärt die Begriffe, die Nährwerttabelle und die Werbewörter auf der Packung. Er bewertet keine Wirkung.
Grundlagen: Nahrungsergänzungsmittel-Etikett lesen – Pflichtangaben und Referenzmengen erklärt
Kakaomasse, Kakaobutter, Kakaopulver: drei verschiedene Dinge
Kakaomasse entsteht, wenn Kakaobohnen geröstet oder ungeröstet zerkleinert und gemahlen werden. Sie enthält das natürliche Fett der Bohne, die Kakaobutter. Für Kakaopulver wird ein Teil dieser Kakaobutter abgepresst. Die deutsche Kakaoverordnung unterscheidet dabei: Kakaopulver enthält mindestens 20 % Kakaobutter (bezogen auf die Trockenmasse), fettarmes oder „stark entöltes“ Kakaopulver weniger als 20 %. Für gezuckerten Kakao bzw. Trinkschokoladenpulver schreibt sie mindestens 25 % Kakaopulver vor, für Schokoladenpulver mindestens 32 %.
Daraus folgt: Ein Produkt aus 100 % Kakaomasse ist kein entöltes Kakaopulver im Sinne der Kakaoverordnung, sondern die ganze Bohne in geraspelter Form – mit entsprechend mehr Fett.
Warum 100 % Kakao 54 g Fett je 100 g haben kann
Beispiel vom Etikett: Kakao Ritual von Nature Heart nennt als einzige Zutat „geraspelte Bio-Kakaomasse aus Bio-Kakaobohnen aus Madagaskar“. Je 100 g: Energie 2584 kJ / 626 kcal, Fett 54 g, davon gesättigte Fettsäuren 33,7 g, Kohlenhydrate 13,9 g, davon Zucker 0,7 g, Eiweiß 14,0 g, Salz < 0,03 g.
Die hohe Fettmenge ist kein Zusatz, sondern Kakaobutter aus der Bohne. Die Tabelle bezieht sich aber auf 100 g – getrunken wird eine viel kleinere Menge. Für den Alltag hilft deshalb die Umrechnung auf die Portion.
Je 100 g oder je Tasse? Selbst umrechnen
Das Etikett empfiehlt für einen Kakao-Drink etwa 15–20 g geraspelten Kakao auf ca. 200 ml Milch oder Pflanzendrink. Rechnerisch aus der Tabelle ergibt das für den Kakao allein (ohne Milch):
- 15 g: rund 94 kcal, 8,1 g Fett, 2,1 g Eiweiß, etwa 0,1 g Zucker
- 20 g: rund 125 kcal, 10,8 g Fett, 2,8 g Eiweiß, etwa 0,1 g Zucker
Was du zum Aufgießen verwendest und ob du süßt, kommt noch dazu. Das Etikett schlägt optional etwas Honig oder Dattelsirup vor – das ist dann zugesetzter Zucker, der in der Tabelle des Kakaos nicht auftaucht.
Trinkkakao: Wo steht der Zucker?
Bei Getränkepulvern lohnt der Blick in die Zutatenliste. Sie ist nach Gewicht sortiert: Was vorne steht, ist mengenmäßig am meisten enthalten. Steht Zucker an erster Stelle, ist Zucker die mengenmäßig größte Zutat – auch wenn auf der Vorderseite „Kakao“ steht. In der Nährwerttabelle zeigt „davon Zucker“ die Gesamtmenge je 100 g. Beim Beispiel aus reiner Kakaomasse sind es 0,7 g.
Was der Bio-Code auf dem Etikett sagt
Das EU-Bio-Logo steht zusammen mit einer Codenummer der Kontrollstelle, im Beispiel „DE-ÖKO-005“. Darunter steht die Herkunft der landwirtschaftlichen Zutaten: „Nicht-EU Landwirtschaft“ bedeutet, dass sie außerhalb der EU erzeugt wurden – passend zu Kakaobohnen aus Madagaskar. Der Code sagt, wer die Bio-Regeln kontrolliert; über Geschmack oder Wirkung sagt er nichts.
„Zeremonielle Qualität“ – was heißt das?
Auf der Vorderseite des Beispiels steht „Zeremonielle Qualität“, in der Verzehrempfehlung ist bei 25–30 g von einem „Ceremonial“-Stil die Rede. Der Begriff ist rechtlich nicht festgelegt; in der Kakaoverordnung kommt er nicht vor. Belastbarer sind die Zutatenliste und die Nährwerttabelle.
Und: Darf Kakao „gesund“ heißen?
Diese Frage beantwortet kein Etikett. In der Werbung ist eine allgemeine Aussage wie „Kakao ist gesund“ nur erlaubt, wenn sie von einer konkreten, in der EU zugelassenen gesundheitsbezogenen Angabe begleitet wird. Für Kakao ist eine solche Angabe zu Kakaoflavanolen zugelassen – geknüpft an eine bestimmte tägliche Flavanolmenge. Das Beispiel-Etikett nennt keinen Flavanolgehalt. Kakao enthält außerdem von Natur aus Theobromin und etwas Koffein; wie viel davon in einer Portion steckt, steht auf diesem Etikett nicht.
So liest du ein Kakao-Etikett
- Bezeichnung prüfen. Kakaomasse, Kakaopulver (fettarm?) oder Getränkepulver?
- Zutatenliste von vorn lesen. Steht Kakao oder Zucker an erster Stelle?
- „Davon Zucker“ und Fett je 100 g ansehen – und auf deine Portion umrechnen.
- Werbewörter einordnen. „Zeremoniell“, „Superfood“ oder „rein“ ersetzen keine Tabelle.
Beispiel aus dem Sortiment unseres Partners

Nature Heart bietet Kakao Ritual als geraspelte Bio-Kakaomasse in 250-g-Beuteln an. Lagerhinweis laut Etikett: „Vor Luft, Licht, Feuchtigkeit geschützt und kühl lagern.“
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Quellen
- Nature Heart: Etikett Kakao Ritual (Vorder- und Rückseite, Bildmaterial aus dem Partnerbereich, gesichtet am 04.11.2026)
- Kakaoverordnung (KakaoV), Anlage 1: gesetze-im-internet.de
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittelinformationsverordnung), Art. 18 Zutatenverzeichnis: EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2018/848 (Öko-Verordnung), Art. 32 Kennzeichnung: EUR-Lex
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (Health-Claims), Art. 10 Abs. 3: EUR-Lex · EU-Register der gesundheitsbezogenen Angaben: Europäische Kommission
Stand: 04.11.2026.
Häufige Fragen
Ist Kakaomasse dasselbe wie Kakaopulver?
Nein. Kakaomasse besteht aus den gemahlenen Kakaobohnen mit ihrem natürlichen Fett, der Kakaobutter. Bei Kakaopulver wurde ein Teil der Kakaobutter abgepresst; für Kakaopulver schreibt die Kakaoverordnung mindestens 20 % Kakaobutter (bezogen auf die Trockenmasse) vor, fettarmes Kakaopulver enthält weniger als 20 %.
Warum hat 100 % Kakaomasse so viel Fett?
Weil die Kakaobohne selbst viel Kakaobutter enthält. Im Beispiel nennt das Etikett 54 g Fett je 100 g. Das ist kein Zusatz, sondern Teil der Bohne.
Was bedeutet „zeremonielle Qualität“?
Der Begriff ist rechtlich nicht festgelegt; in der Kakaoverordnung kommt er nicht vor. Aussagekräftiger sind Zutatenliste und Nährwerttabelle.
Darf Kakao als „gesund“ beworben werden?
Eine allgemeine Aussage wie „Kakao ist gesund“ ist in der Werbung nur zusammen mit einer zugelassenen, konkreten gesundheitsbezogenen Angabe erlaubt. Für Kakao ist eine solche Angabe zu Kakaoflavanolen zugelassen, aber nur unter Bedingungen, die dieses Etikett nicht ausweist. Dieser Ratgeber erklärt deshalb die Angaben, nicht eine Wirkung.
